Mein Wunsch war es schon lange, an einem Hilfsprojekt teilzunehmen und irgendwo auf der Welt einen kleinen, positiven Beitrag zu leisten. Über Bekannte kam ich mit dem Child Care Circle und dessen Projekt in Kyawanise, Uganda, in Kontakt.

Schon vor der Reise lernte ich die Gruppe in Videocalls kennen. Es gab ausführliche Briefings, große Fragerunden, und wir besprachen die Aufgaben, die uns vor Ort erwarteten. Meine Aufgabe sollte es sein, Sitzgruppen für den noch im Bau befindlichen Speisesaal zu entwerfen. Dabei musste ich mich an die verfügbaren Werkzeuge und Materialien anpassen, um ein möglichst praktisches Design zu schaffen, das sich in großer Stückzahl herstellen ließ.

Die Anreise verlief problemlos: ein langer, aber bequemer Flug, gefolgt von der direkten Fahrt zu unserer Unterkunft in Kayabwe. Diese war in weiten Teilen an europäische Standards angepasst – gekocht wurde jedoch über offenem Feuer. Wir wurden bestens versorgt, aßen in der Regel dreimal täglich und hatten stets frisches Trinkwasser dabei.

Auf die Reise hatte ich mich vor allem durch Dokumentationen vorbereitet. So wusste ich, dass ich in eine Region reisen würde, in der Armut und Krankheit das Leben vieler Menschen prägen, Nahrung nicht selbstverständlich ist und Frauen wie Kinder es gesellschaftlich oft schwer haben. Korruption ist überall präsent.

Gleichzeitig beeindruckte mich die ugandische Lebensart: meist fröhlich, hoffnungsvoll und genügsam. Dadurch fühlte ich mich vom ersten Tag an sehr wohl. Es gab keinen Druck, unbedingt etwas leisten zu müssen – jeder Beitrag wurde als willkommene Hilfe gesehen und mit großer Dankbarkeit gewürdigt, oft ausgedrückt durch Tänze, Gesänge und Lobpreisungen. Eine wunderschöne Kultur.

Unsere Reisegruppe ging mit viel Engagement ans Werk. Im Waisenzentrum des Child Care Circle arbeiteten wir an der Trinkwasserversorgung, gossen die Bodenplatte des Speisesaals, strichen Schlafräume – und ich widmete mich meinen Sitzgruppen. Natürlich nicht allein: hauptsächlich zeigte ich den interessierten ugandischen Jungen und Mädchen, die immer wieder an meiner Arbeitsstätte vorbeischauten, wie sie mit anpacken konnten. Mithilfe eines Prototyps als Vorlage starteten wir gemeinsam eine richtige Serienproduktion. Ich denke heute noch gern daran, mit welcher Hingabe dort gesägt, gebohrt und geschraubt wurde – und empfinde bis heute Freude daran.

Natürlich wurde nicht nur gearbeitet. Oft unterwegs – stets chauffiert von CCC-Mitarbeitern in ihrem Schulbus – besuchten wir Familien in verschiedenen Dörfern, hörten ihre Geschichten, sangen und tanzten mit Kindern in Schulen und verbrachten sogar zwei Tage auf Safari im Murchison-Falls-Nationalpark. Unglaublich eindrucksvoll.

So vergingen 16 Tage wie im Flug. Zuhause angekommen hatte ich das Gefühl, nicht einfach irgendwo auf der Welt einen kleinen Beitrag geleistet zu haben – sondern genau am richtigen Ort.

Aurelius Tauer, 31, Architekt